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Normale Version: Wildzäune und Wildbrücken
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Wildzäune zerschneiden zwar einerseits den Lebensraum der Wildtiere, schützen sie aber andererseits davor zusammengefahren zu werden. Wie sind diese Maßnahmen zu bewerten?

Inwieweit können Wildbrücken die Nachteile wieder wettmachen? Sind verbindliche Vorgaben für solche Maßnahmen ausreichend? Welche Möglichkeiten bestehen die Situation zu verbessern?
(24.11.2009 10:43)bertel schrieb: [ -> ]Wildzäune zerschneiden zwar einerseits den Lebensraum der Wildtiere, schützen sie aber andererseits davor zusammengefahren zu werden. Wie sind diese Maßnahmen zu bewerten?

Wildzäune kommen in erster Linie zum Einsatz, wenn Pflanzungen
vor Wildverbiss geschützt werden sollen. Zaunanlagen verkleinern den Lebensraum von Wild.

(24.11.2009 10:43)bertel schrieb: [ -> ]Inwieweit können Wildbrücken die Nachteile wieder wettmachen?

Wildbrücken haben nur eine einzige Aufgabe. Sie sollen dem Wild eine Möglichkeit eröffnen gewohnte Fernwechsel anzunehmen.

(24.11.2009 10:43)bertel schrieb: [ -> ]Welche Möglichkeiten bestehen die Situation zu verbessern?

Hier gibt nur eine einzige Möglichkeit. Konsequente und nachhaltige Bejagung.
Kurz und präzise.

Wie steht's denn, wenn man an die Vermeidung/Verringerung von
Wiildunfällen denkt, mit Wildabweisern? In Bad.-Württ. gibt es z.B. einen
Pilotversuch mit blauen Abweisern, etwas missverständlich "Blauer
Wildzaun" genannt.
Die gibt es hier im südlichen SA auch schon.
Kurzfristig (bis zu einer eventuellen Gewöhnung) funktioniert das sicher.

Die Funktion ist relativ einfach: auftreffendes Scheinwerferlicht wird in Richtung Feld/Wald reflektiert und soll das Wild so nachts von der befahrenen Straße fernhalten.
Hier hängen im Wald überall CDs an den Straßenrändern. Ich vermute mal, die sollen den gleichen Effekt haben, oder? Funktioniert das wirklich?

btw: ich habe mich in Meck-Pom mal mit einem Landwirt unterhalten, der Zwiebelsäckchen mit Menschenhaaren (die bekam er vom ortsansässigen Friseur geschenkt) rund um seine Maisfelder hängen hatte. Auch mit dem Wunsch, daß sie doch bitte das Wild vom Plündern abhalten sollen.
Er schwörte darauf.
Ist das wirklich so einfach?
(24.11.2009 17:27)Abra schrieb: [ -> ]Hier hängen im Wald überall CDs an den Straßenrändern. Ich vermute mal, die sollen den gleichen Effekt haben, oder? Funktioniert das wirklich?

Ja, aber nur leidlich. Des weiteren braucht man von der
Verkehrsbehörde eine Genehmigung, die jedoch eher nicht
erteilt wird.

(24.11.2009 17:27)Abra schrieb: [ -> ]...Zwiebelsäckchen mit Menschenhaaren (die bekam er vom ortsansässigen Friseur geschenkt) rund um seine Maisfelder hängen hatte. Auch mit dem Wunsch, daß sie doch bitte das Wild vom Plündern abhalten sollen. Er schwörte darauf. Ist das wirklich so einfach?

Nein ist es nicht. Es stellt sich (ebenso wie bei z.B. Hukinol) ein
Gewöhnungseffekt ein. Menschenhaar als Vergrämungsmittel
überzeugt (mich) nicht. Es gibt noch allerhand sonstiger Mittel,
vom Duftzaun bis hin zum mit Veromenen angereicherten Granulat. Die mir einzig bekannte wirkungsvolle Maßnahme ist, Baustoffmatten aus Stahl einzugraben. Das habe ich schon gesehen. Aber mach das mal bei einen Maisschlag von 300 x 200 m. Elektrozaun hilft noch am besten, braucht aber regelmäßig
Pflege. Eine gute Zaunanlage kostet 800 - 1000 Euro. Damit
kann man einen Maisschlag von ca. 200 x 150 m zäunen.
Im allgemeinen versagen die Vergrämungsmaßnahmen (auch
der Zaun), wenn das Getreide in der Michreife steht. Da gibt es für die Sauen einfach kein halten. Einzige Maßnahme die hier beeindruckt ist, einen Frischling zu erlegen. Das vergrämt die Rotte zumindest für 1 Woche.
Danke Franziska.

Nochmal zur Wildbrücke. Hier wird eine über die A6 gebaut. Direkt unmittelbar neben einer parallel verlaufenen Fußgängerbrücke. Auf beiden Seiten der A6 ist Wald.
Warum nutzt das Wild nicht die ohnehin existente Fußgängerbrücke? Wenn sich Wild so schwer vergrämen läßt, dann dürfte es sich auch nicht davon abhalten lassen, diese Brücke zu nutzen, oder?

(24.11.2009 17:56)Franziska schrieb: [ -> ]Einzige Maßnahme die hier beeindruckt ist, einen Frischling zu erlegen. Das vergrämt die Rotte zumindest für 1 Woche.
Was den Beobachtungen von Amiplempe (Thema: Gefühle bei Tieren) widerspricht ...
den eigenen tot zu vermeiden, versuchen übrigens alle tiere, ein gefühl hat das aber bis heute nicht bewiesen...selbst pflanzen haben schwer etwas dagegen zu humus zermampft zu werden...siehe akazien und co, chemische abwehr...
(24.11.2009 18:14)Abra schrieb: [ -> ]Nochmal zur Wildbrücke. Warum nutzt das Wild nicht die ohnehin existente Fußgängerbrücke?

Die Wildbrücke ist ganz bestimmt erwähnenswert breiter als die Fußgängerbrücke und außerdem noch bepflanzt. Also im Vergleich "Wildgerecht".

(24.11.2009 18:14)Abra schrieb: [ -> ]Was den Beobachtungen von Amiplempe (Thema: Gefühle bei Tieren) widerspricht ...

Ja, das habe ich gelesen. Bei mir ist es so, daß eine Rotte
für 14 Tage nicht mehr an die Kirrung kommt, wenn aus dieser ein Frischling erlegt wurde.
(24.11.2009 11:08)Franziska schrieb: [ -> ]
(24.11.2009 10:43)bertel schrieb: [ -> ]Wildzäune zerschneiden zwar einerseits den Lebensraum der Wildtiere, schützen sie aber andererseits davor zusammengefahren zu werden. Wie sind diese Maßnahmen zu bewerten?

Wildzäune kommen in erster Linie zum Einsatz, wenn Pflanzungen
vor Wildverbiss geschützt werden sollen. Zaunanlagen verkleinern den Lebensraum von Wild.

Da hast Du recht, ich dachte in erster Linie erst einmal an die Zäune entlang von Straßen, vornehmlich BAB und Bundesstraßen, da ist aber auch noch einiges zu machen in Sachen Wildbrücken nicht wahr?

Wildzäune um Pflanzungen haben mich auch schon zum Nachdenken gebracht, ob das ein sehr guter Weg ist. Wald ist nunmal nicht alleine Holzproduktionsstätte. Wie konnten eigentlich früher Bäume wachsen ohne daß Waldteile abgesperrt waren?

Gäbe es mögliche Alternativen? Drahthosen, Verbissschutzklemmen?
(24.11.2009 22:22)bertel schrieb: [ -> ]...da ist aber auch noch einiges zu machen in Sachen Wildbrücken nicht wahr?

Schön wäre es. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, kostet eine Wildbrücke ca. 6,5 Mio Euro.

(24.11.2009 22:22)bertel schrieb: [ -> ]Wildzäune um Pflanzungen haben mich auch schon zum Nachdenken gebracht, ob das ein sehr guter Weg ist. Wald ist nunmal nicht alleine Holzproduktionsstätte. Wie konnten eigentlich früher Bäume wachsen ohne daß Waldteile abgesperrt waren? Gäbe es mögliche Alternativen? Drahthosen, Verbissschutzklemmen?

Also DAS ist ein wirklich sehr komplexes Thema. Ob man das hier in aller Breite diskutieren kann? Puh!

Zunächst einmal muss man wissen, das es so etwas wie eine vorausschauende Waldplanung gibt. Bei uns wird der Wald immer für 20 Jahre im voraus geplant. Nach 10 Jahren gibt es eine Bestandsaufnahme, wie man in der Planung liegt und nach weiteren 10 Jahren gibt es eine Bestandsaufnahme, wie die Maßnahmen der vergangenen 20 Jahre gewirkt haben. Dann wird betrachtet, wie der Wald für die nächsten 20 Jahre zu planen ist. Klimaveränderung, standortgerechte Bäume, Hauptbaumarten, Naturverjüngung und nicht zuletzt die Verbisssituation werden in die Betrachtung mit einbezogen. Man stellt einen Ist-Zusand fest und einen Soll-Zustand. Alles forstwissenschaftlich durch (Privat-)Gutachten unterlegt.

Wenn jetzt z.B. wegen der Klimaveränderung, der dadurch trockenen Waldböden festgestellt wird, daß z.B. die Fichten als Flachwurzler nicht mehr standortgerecht sind, quasi mittelfristig keine Zukunft haben (Windwurf, Käfer etc.), dann wird man sich nach einer standortgerechten Pflanze umsehen. Bei trockenen Böden kann das z.B. die Buche (Pfahlwurzler) sein. Wenn sich die Buche (z.B. wegen Fichtenmonokultur) nicht naturverjüngen kann, dann werden von aussen (Baumschule) Buchen gepflanzt. <-- noch eingefügt: Es gibt noch eine weitere Methode. Die Aussaat mit Zaun (auf kleiner Fläche) und das Verstoßen der Pflanzen, wenn sie geschoßen sind. Das dauert in etwa 3 Jahre bis die Buchenpflanzen soweit sind. Danach sind sie allerdings nicht sehr verbissgefährdet. Aus 1 kg Buchensamen (muss aus zertifizierten Betrieb sein) bekommt man ungefähr 1000 Buchen gezogen.

Diese (Baumschul-)Pflanzen sind bis oben hin mit Stickstoff angreichert. Das wirkt wie ein Magnet auf z.B. das Rehwild. Und da beginnen die Probleme. <-- Verbiss

Es wird hierbei nicht kleindimensional gedacht. Sondern in Größenordnungen von z.B. 5 oder 10 ha. pro Pflanzaktion und pro Jahr.
Auf 10 ha. bekommt man gut und gerne 8000 Stück Buchensetzlinge unter.

Jetzt kommt die Gretchenfrage: 10 ha. zäunen (Kosten für eine solche Zaunanlage liegen bei ca. 32tsd. Euro) oder straffe Bejagung. Einzelpflanzenschutz kommt bei der Menge nicht in Frage und chemische Verbissmittel helfen bei der Buche nicht wirklich.

Ich habe das Thema jetzt nur ganz oberflächlich angerissen. Ich hoffe, man kann trotzdem erkennen, daß die Sache mit dem Wald wirklich ganz großes Kino ist.
Interessant zu lesen, Franziska, danke!
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