(24.11.2009 22:22)bertel schrieb: [ -> ]...da ist aber auch noch einiges zu machen in Sachen Wildbrücken nicht wahr?
Schön wäre es. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, kostet eine Wildbrücke ca. 6,5 Mio Euro.
(24.11.2009 22:22)bertel schrieb: [ -> ]Wildzäune um Pflanzungen haben mich auch schon zum Nachdenken gebracht, ob das ein sehr guter Weg ist. Wald ist nunmal nicht alleine Holzproduktionsstätte. Wie konnten eigentlich früher Bäume wachsen ohne daß Waldteile abgesperrt waren? Gäbe es mögliche Alternativen? Drahthosen, Verbissschutzklemmen?
Also DAS ist ein wirklich sehr komplexes Thema. Ob man das hier in aller Breite diskutieren kann? Puh!
Zunächst einmal muss man wissen, das es so etwas wie eine vorausschauende Waldplanung gibt. Bei uns wird der Wald immer für 20 Jahre im voraus geplant. Nach 10 Jahren gibt es eine Bestandsaufnahme, wie man in der Planung liegt und nach weiteren 10 Jahren gibt es eine Bestandsaufnahme, wie die Maßnahmen der vergangenen 20 Jahre gewirkt haben. Dann wird betrachtet, wie der Wald für die nächsten 20 Jahre zu planen ist. Klimaveränderung, standortgerechte Bäume, Hauptbaumarten, Naturverjüngung und nicht zuletzt die Verbisssituation werden in die Betrachtung mit einbezogen. Man stellt einen Ist-Zusand fest und einen Soll-Zustand. Alles forstwissenschaftlich durch (Privat-)Gutachten unterlegt.
Wenn jetzt z.B. wegen der Klimaveränderung, der dadurch trockenen Waldböden festgestellt wird, daß z.B. die Fichten als Flachwurzler nicht mehr standortgerecht sind, quasi mittelfristig keine Zukunft haben (Windwurf, Käfer etc.), dann wird man sich nach einer standortgerechten Pflanze umsehen. Bei trockenen Böden kann das z.B. die Buche (Pfahlwurzler) sein. Wenn sich die Buche (z.B. wegen Fichtenmonokultur) nicht naturverjüngen kann, dann werden von aussen (Baumschule) Buchen gepflanzt. <-- noch eingefügt: Es gibt noch eine weitere Methode. Die Aussaat mit Zaun (auf kleiner Fläche) und das Verstoßen der Pflanzen, wenn sie geschoßen sind. Das dauert in etwa 3 Jahre bis die Buchenpflanzen soweit sind. Danach sind sie allerdings nicht sehr verbissgefährdet. Aus 1 kg Buchensamen (muss aus zertifizierten Betrieb sein) bekommt man ungefähr 1000 Buchen gezogen.
Diese (Baumschul-)Pflanzen sind bis oben hin mit Stickstoff angreichert. Das wirkt wie ein Magnet auf z.B. das Rehwild. Und da beginnen die Probleme. <-- Verbiss
Es wird hierbei nicht kleindimensional gedacht. Sondern in Größenordnungen von z.B. 5 oder 10 ha. pro Pflanzaktion und pro Jahr.
Auf 10 ha. bekommt man gut und gerne 8000 Stück Buchensetzlinge unter.
Jetzt kommt die Gretchenfrage: 10 ha. zäunen (Kosten für eine solche Zaunanlage liegen bei ca. 32tsd. Euro) oder straffe Bejagung. Einzelpflanzenschutz kommt bei der Menge nicht in Frage und chemische Verbissmittel helfen bei der Buche nicht wirklich.
Ich habe das Thema jetzt nur ganz oberflächlich angerissen. Ich hoffe, man kann trotzdem erkennen, daß die Sache mit dem Wald wirklich ganz großes Kino ist.